Das Museum nach Feierabend

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Als der letzte Besucher durch die großen Holztüren hinausging, wurde es im Museum ganz still. Die Uhr im Turm schlug acht sanfte Schläge, und draußen senkte sich die Dunkelheit langsam über die Stadt. In der Halle zündete der Nachtwächter Bertil seine kleine Laterne an. Sie leuchtete warm, wie ein alter Freund, der gerade erwacht war. Bertil lächelte still für sich. Jetzt begann seine liebste Zeit des Tages, der Abendrundgang.

Bertil hatte viele Jahre im Museum gearbeitet. Er kannte jeden Gang, jede Treppe, jedes leise Knarren im Boden. Er wusste, welche Lampen ein wenig schwächer leuchteten als die anderen, und welche Fenster bei Wind ein wenig klapperten. Mit der Laterne in der Hand begann er seinen Rundgang. 'Guten Abend, altes Haus', flüsterte er. Und das Haus schien ihm leise zurückzuatmen.

Der erste Saal war der Fossiliensaal. In seiner Mitte stand ein riesiges Dinosaurierskelett, hoch wie ein Baum. Es war einer von Bertils Lieblingen. Er nannte sie immer Lina, obwohl sie überhaupt nicht klein war. Das Licht der Laterne wanderte über die blanken Knochen, und die Schatten legten sich sanft auf den Boden. 'Gute Nacht, Lina', sagte Bertil und nickte freundlich zu dem gewaltigen Schädel.

Die Statuen in der Ecke des Saals standen ganz still. Es waren zwei Steinfiguren aus alter Zeit, mit freundlichen Gesichtern und abgenutzten Händen. Bertil lächelte ein wenig, als er an ihnen vorbeiging. Man sagt, Statuen stehen nur dann still, wenn jemand hinsieht, aber das ist natürlich nur ein altes Märchen. Bertil schaute trotzdem immer ein wenig länger, falls sie sich strecken wollten. Das taten sie nicht. Das tun sie nie.

Bertil ging weiter in den nächsten Raum. Hier hingen große Ölgemälde in schweren Goldrahmen. Auf einem Bild ruhte eine Kuh auf einer Sommerwiese. Auf einem anderen segelte ein kleines Schiff zwischen blauen Wellen. Auf dem größten Bild stand ein alter Garten in voller Blüte. Bertil blieb vor jedem Gemälde einen Augenblick stehen. 'Schlaf gut, Kuh', flüsterte er. 'Schlaf gut, Schiff. Schlaf gut, Garten.'

An der Decke befand sich eine kleine Kuppel aus bemaltem Glas. Tagsüber leuchtete sie in allen Farben des Regenbogens, doch jetzt war sie fast schwarz. Fast, denn der Mond hatte gerade begonnen, über die Dächer der Stadt zu klettern, und seine ersten Strahlen fielen durch die Kuppel wie dünne Silberfäden. Bertil legte den Kopf in den Nacken und sah hinauf. Es sah aus, als grüße ihn der Mond durch das Fenster.

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