Die Hüte für die sechs Jizō

Den Anfang lesen

Hoch oben in den Bergen Japans, wo die Kiefern still unter dem Gewicht des Schnees standen, lebten ein alter Mann und seine alte Frau in einem kleinen Holzhaus. Es war der Tag vor Silvester. Der Wind schlich um die Ecken, und vom Dach hingen lange Eiszapfen, die im blassen Nachmittagslicht glitzerten. Drinnen war es still. Auf der kleinen Feuerstelle glomm eine spärliche Glut, und im Reistopf, wo sonst vor dem Neujahrsfest Mochi blubberte, lag gar nichts.

'Wir haben weder Reis noch Rüben,' sagte die Alte leise und drehte eine leere Schale in den Händen. 'Und nicht ein einziges Mochi für den Hausaltar.' Der alte Mann nickte langsam. Er sah aus dem kleinen Fenster und beobachtete, wie der Schnee fiel, still wie Mehl, über den Bergpfad. 'Keine Sorge,' sagte er. 'Ich flechte heute Nacht ein paar Strohhüte. Morgen trage ich sie ins Dorf und verkaufe sie auf dem Markt. Dann bekommen wir einen kleinen Beutel Reis, um das neue Jahr zu beginnen.'

Die ganze Nacht saß der alte Mann auf der Strohmatte und flocht. Seine dünnen Finger arbeiteten flink, und das Stroh wand sich zu einem runden Hut, dann zu noch einem. Draußen fiel der Schnee über die Berge, und drinnen flocht der Alte einen, zwei, drei, vier, fünf, sechs Strohhüte. Als der letzte fertig und mit einer Schnur gebunden war, schien der erste Morgen blassgelb durch das Papier des Fensters. Er hängte die Hüte als Bündel auf den Rücken und band seinen eigenen abgetragenen Strohhut unter dem Kinn fest.

'Sei vorsichtig,' sagte die Alte an der Tür. Sie schob ihm einen Handwärmer aus Bambus, gefüllt mit warmer Kohle, in den Ärmel. Der alte Mann lächelte und verneigte sich leicht. Dann trat er hinaus in den Schnee. Der Pfad vom Berg hinunter war lang und weiß. Der Schnee knirschte wie frische Reishülsen unter seinen Sandalen, und sein Atem stieg auf wie kleine weiße Wolken. Die Bäume standen unbewegt, und die ganze Welt schien zu lauschen.

Als er ins Dorf kam, war der Marktplatz voller Menschen. Händler riefen, und Kinder lachten. Der alte Mann stellte sich neben eine Schneewehe und richtete die Strohhüte. 'Strohhüte! Frische, schöne Strohhüte!' rief er mit seiner freundlichen Stimme. Doch die Dorfbewohner hatten ihre Einkäufe schon erledigt. Sie gingen vorbei mit Rüben und Fisch und Säcken voller Reis, und niemand blieb stehen. Ein kleines Mädchen zeigte auf die Hüte, aber seine Mutter zog es behutsam weiter.

Die Geschichte in Fabeligo weiterhören, vorgelesen und illustriert

In der App anhören