Der gestiefelte Kater

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Vor langer Zeit lebte in einem kleinen Dorf ein alter Müller mit drei Söhnen. Als der Müller starb, hatte er nicht viel zu hinterlassen: nur seine Mühle, seinen Esel und seinen Kater. Der älteste Sohn bekam die Mühle, der mittlere bekam den Esel, und der jüngste bekam nur den Kater. Der junge Mann saß auf einem Baumstumpf vor der Hütte und seufzte schwer. 'Meine Brüder können sich ihr Brot zusammen verdienen', sagte er, 'aber wenn ich meinen Kater aufgegessen und mir aus seinem Fell einen Muff gemacht habe, muss ich Hungers sterben.'

Der Kater hatte alles gehört, obwohl er so tat, als ob er schliefe. Er setzte sich auf, legte den Kopf schief und sprach mit sehr ernster Stimme: 'Gräme dich nicht, lieber Herr. Besorge mir nur einen Sack und lass mir ein Paar schöne Stiefel anfertigen, damit ich durch Dornen und Disteln laufen kann. Dann wirst du sehen, dass ich kein so schlechtes Erbe bin, wie du denkst.' Der junge Mann blinzelte und starrte. Ein sprechender Kater! Und ein Kater, der Stiefel verlangte! Doch er hatte nichts zu verlieren. Er nahm seine letzten Münzen und kaufte ein Paar kleine Lederstiefel und einen Sack mit einer Schnur.

Der Kater zog sich die Stiefel sehr fein an, hängte sich den Sack um den Hals und ergriff die Schnur mit beiden Vorderpfoten. Dann schlich er zu einem großen Waldhang, wo es viele Kaninchen gab. Er legte Kleie und Löwenzahn in den Sack, streckte sich auf dem Boden aus und lag ganz still, als wäre er tot. Ein kleines Kaninchen, das die Listen der Welt noch nicht kannte, hüpfte neugierig herbei und kroch in den Sack, um zu knabbern. Schwupps zog der Kater die Schnur zu und fing das Kaninchen. Er war sehr stolz auf seinen ersten Fang.

Mit dem Kaninchen im Sack ging der Kater geradewegs zum Schloss und bat, beim König vorgelassen zu werden. Er verbeugte sich tief, nahm den Hut ab und sprach: 'Eure Majestät, mein Herr, der edle Marquis von Carabas, hat mich gebeten, dieses Kaninchen als Geschenk zu überreichen.' Der König lächelte breit und runzelte die Stirn, denn er hatte noch nie von einem Marquis von Carabas gehört. Doch das Geschenk war fein, und der Kater war höflich. 'Danke deinem Herrn', sagte der König freundlich, 'und sag ihm, dass mir sein Geschenk große Freude bereitet.' Der Kater verbeugte sich erneut und trippelte sehr zufrieden nach Hause.

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