Die Zeltnacht und das seltsame Geräusch

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Es war der erste richtige Sommerabend bei Oma und Opa, und Vilma und Otto durften im Zelt im Garten schlafen. Vilma war acht und fand, dass sie ziemlich mutig sei. Otto war fünf und fand alles aufregend. Das Zelt stand unter dem großen Apfelbaumast, zwischen den Johannisbeersträuchern und der alten Gartenbank. Die Sonne war gerade untergegangen, und der Himmel war zugleich rosa und blau. Oma hatte ihnen je eine Thermoskanne mit warmer Milch und zwei belegte Brote in einer Plastikdose gegeben. 'Ruft, wenn etwas ist,' sagte Opa. 'Wir sind gleich hinter der Küchentür.'

Im Zelt roch es nach neuem Stoff und Gras. Vilma hatte ihre Taschenlampe dabei, und Otto hatte seinen Stoffhasen Bonk mitgenommen. Sie rollten die Schlafsäcke nebeneinander aus und zogen den Reißverschluss der Tür so weit hoch, dass nur ein kleiner Spalt offen blieb. 'Wir brauchen ein bisschen Luft,' sagte Vilma mit Erwachsenenstimme. Otto nickte und schob Bonk unter sein Kinn. Durch den Spalt sahen sie den Rasen und weiter weg das warme gelbe Licht aus dem Küchenfenster. Es fühlte sich an, als wären sie weit weg von zu Hause, obwohl sie es gar nicht waren.

Otto redete lange darüber, was sie morgen machen würden. Eine Bude bauen. Im Graben angeln. Pfannkuchen zum Frühstück essen. Vilma hörte mit einem Ohr zu und blickte zur Zeltdecke hoch, wo eine Mücke im Licht der Taschenlampe hin und her wanderte. Nach einer Weile wurde Otto stiller. Er sagte noch etwas über Bonk und Pfannkuchen, und dann brach der Satz mittendrin ab. Vilma machte die Taschenlampe aus. Die Dunkelheit kam herein wie Wasser in eine Tasse. Es war keine unangenehme Dunkelheit. Sie roch nur nach Gras und warmen Erdbeeren.

Gerade als auch Vilma die Augen schließen wollte, hörte sie es. Ein Geräusch. Kein deutliches Geräusch, eher ein Raschelraschel, ein Knistern, wie wenn jemand vorsichtig durch trockenes Laub geht. Sie lag ganz still. Das Geräusch hörte auf. Dann fing es wieder an, etwas weiter weg. Rascheln. Rascheln. Es klang, als wäre etwas direkt am Zeltrand, beim Johannisbeerstrauch. Vilma hielt den Atem an. Otto atmete tief und ruhig neben ihr. Sie streckte die Hand aus und stupste ihn vorsichtig an der Schulter. 'Otto,' flüsterte sie. 'Otto, wach auf.'

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