Der Junge, der Wolf rief
Erzählt auf Schwedisch, Englisch, Norwegisch
Mitlese-Text auf Deutsch, Englisch, Schwedisch, Norwegisch, Dänisch, Finnisch und Spanisch.
Erzählt auf Schwedisch, Englisch, Norwegisch
Mitlese-Text auf Deutsch, Englisch, Schwedisch, Norwegisch, Dänisch, Finnisch und Spanisch.
Hoch oben auf einem grünen Hügel, über einem kleinen Dorf mit roten Dächern und rauchenden Schornsteinen, weidete eine Herde weißer Schafe. Es waren vierzig Stück, vielleicht mehr. Sie gingen ruhig im weichen Gras umher und fraßen Klee und Löwenzahn. Und mitten unter ihnen, mit einem langen Stab in der Hand und einer Flöte in der Tasche, saß ein Junge auf einem Stein. Er war der Schafhirte. Jeden Morgen ging er mit den Schafen hinauf auf den Hügel. Jeden Abend ging er wieder hinunter ins Dorf. Seine Aufgabe war einfach. Er sollte aufpassen, dass die Schafe nicht verloren gingen. Und er sollte nach dem Wolf Ausschau halten, der manchmal aus dem Wald heraufschlich.
Die Sonne stieg höher in den Himmel. Die Bienen summten in den Kleeblüten. Ein Storch flog langsam über die Wiese, die langen Beine hingen hinter ihm her. Die Schafe blökten leise vor sich hin. Bäh. Bäh. Bäh. Der Junge saß auf seinem Stein und schaute hinunter ins Dorf. Er konnte die Frauen sehen, die zum Brunnen gingen. Er konnte den Mann sehen, der hinter seiner Hütte Holz hackte. Er konnte die Kinder sehen, die am Brunnen spielten. Und er seufzte. Es war immer dasselbe. Derselbe Hügel. Dieselben Schafe. Derselbe lange, lange Tag. Er gähnte und warf einen Stein ins Gras hinunter. Er wünschte sich, dass irgendetwas, irgendetwas überhaupt, geschehen würde.
Da kam ihm eine Idee. Es war keine gute Idee. Es war so eine Idee, wie sie ein gelangweilter Junge an einem langen, heißen Tag bekommt. Er erinnerte sich, was die Erwachsenen ihm immer sagten, bevor er auf den Hügel ging. 'Wenn der Wolf kommt, schrei! Schrei so laut du kannst, dann kommen wir und helfen dir.' Der Junge lächelte vor sich hin. Das wäre so lustig. Die Wäscherin ihre Wäsche fallen lassen zu sehen. Den Müller mit Mehl an den Händen rennen zu sehen. Alle Onkel und Tanten den Hügel hinaufstürmen zu sehen, um ihm zu helfen. Und dann würde sich herausstellen, dass es gar keinen Wolf gab. Er lachte laut bei dem Gedanken, sodass das nächste Schaf erstaunt aufschaute.
Der Junge sprang auf seinen Stein. Er füllte die Lungen mit Luft, so viel Luft wie nur möglich hineinpasste. Und dann rief er, so laut er konnte, hinunter zum Dorf: 'WOOOOLF! WOLF! Auf dem Hügel ist ein Wolf! WOLF!' Seine Stimme sprang zwischen den Steinen. Sie hallte den Hang hinunter. Sie reichte bis hinunter zum Marktplatz. Und unten im Dorf hielt alles inne. Die Wäscherin ließ die Wäsche in den Zuber fallen. Der Müller ließ seinen Mehlsack fallen. Der Schmied ließ den Hammer fallen. Die Kinder am Brunnen verstummten. Alle sahen zum Hügel hinauf. Und alle begannen zu laufen.
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