Der Buchhändler von Samarkand

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Weit weg, wo die Seidenstraße sich durch staubige Berge schlängelte, lag die Stadt Samarkand. Abends duftete der Basar nach Kardamom, warmem Brot und frisch gefärbten Stoffen. Ein Junge namens Aram wohnte in einem kleinen Lehmhof hinter dem Kamelmarkt. Er war neun Jahre alt und hatte zwei Taschen: eine für Dattelkerne und eine für Münzen, die er das ganze Jahr gespart hatte. An jenem Abend, als der Himmel über den Kuppeln rosig wurde, ging er hinaus, um etwas Schönes zu suchen. Er ahnte nicht, dass er ein Buch finden würde, das nicht stillhalten wollte.

Der Basar war eine Welt für sich. Karawanenführer in staubigen Mänteln tranken Tee aus kleinen Gläsern und erzählten von Sandstürmen weit weg. Buchbinder schlugen Ledereinbände mit Holzhämmern, dass es in den Gassen knallte. Aram drängte sich an einem Händler vorbei, der blaue Krüge verkaufte, an einer Frau, die Kürbiskerne über glühender Kohle röstete, und an einem alten Mann, der mit einem Papageienkäfigdeckel auf dem Kopf schlief. Er blieb einen Augenblick bei einem Gewürzstand stehen, wo Pyramiden aus Kurkuma, Paprika und Kreuzkümmel wie bunte kleine Berge leuchteten. Ganz hinten, in einem Gewölbegang, in dem es nach altem Zimt und Tinte roch, fand er einen kleinen Buchstand, den er noch nie gesehen hatte. Auf dem Tisch lagen sechs Bücher in ordentlicher Reihe, und daneben saß ein Buchhändler mit Augenbrauen, die so weiß waren, dass sie wie Wolle aussahen.

'Du suchst ein Buch', sagte der Buchhändler, ohne aufzublicken. 'Kein gewöhnliches.' Aram nickte. Er deutete auf das kleinste Buch. Es war in weiches braunes Leder gebunden und trug keinen Titel auf dem Einband. 'Das dort', flüsterte Aram. Der Buchhändler lächelte mit einer Mundhälfte. 'Dieses Buch ist besonders. Es schläft am Tag und erwacht in der Nacht. Willst du es trotzdem?' Aram überlegte lange. Dann legte er alle gesparten Münzen auf den Tisch, eine nach der anderen, bis seine Tasche leer war.

Der Buchhändler zählte die Münzen, ohne sich zu beeilen. Er legte sie in eine kleine Messingschale und schlug das Buch in ein Stück Stoff ein. 'Drei Dinge musst du dir merken', sagte er. 'Lies langsam. Schließ es, wenn du müde bist. Und wenn es schwer wird, gib ihm etwas zurück.' Aram öffnete den Mund, um zu fragen, was er meinte, doch der Buchhändler hatte sich schon umgedreht, um den Boden mit einem Besen aus Palmblättern zu fegen. Aram ging durch die dunklen Gassen nach Hause, das Buch in den Händen, als wäre es ein schlafender Vogel.

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