Der Feuervogel

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Vor langer Zeit, in einem Land, wo die Birken weiß wie Kerzen vor dem Himmel standen, regierte ein König namens Wuislaw. Mitten in seinem Garten wuchs ein Apfelbaum ohnegleichen. Seine Blätter waren kleine grüne Spiegel, und seine Früchte glänzten aus reinem Gold. Wenn der Wind die Zweige bewegte, klang es wie helles Glockenspiel. Der König hatte drei Söhne, und der jüngste hieß Iwan. Jeden Morgen gingen sie mit dem Vater durch den Garten, um die Äpfel zu zählen, und jeden Morgen waren es genau so viele wie am Abend zuvor. Dieser Baum war der größte Stolz des Königs, sein Augapfel.

Doch eines Morgens trat der König hinaus und sah, dass einer der goldenen Äpfel fehlte. Am nächsten Morgen war ein weiterer fort, und dann der dritte. Der König wurde sehr beunruhigt. Wer stahl ihm die Äpfel in der Nacht? Er stellte Wachen auf, doch die Wachen schliefen. Er ließ Hunde frei, doch die Hunde schwiegen. Da, in einer stillen und milden Nacht, schlich der König selbst hinaus unter die Bäume. Mitten in der Dunkelheit hörte er ein Rauschen von Flügeln, und plötzlich erstrahlte der ganze Garten, als wäre die Sonne von Neuem geboren. Ein riesiger Vogel aus Gold und Feuer schwebte herab, pflückte einen Apfel und verschwand so schnell wie ein Blitz. 'Der Feuervogel,' flüsterte der König zitternd.

Am nächsten Tag rief der König seine Söhne zu sich. 'Wer den Feuervogel fängt,' sagte er, 'soll zu meinen Lebzeiten das halbe Reich erhalten und nach mir die ganze Krone.' Die drei Prinzen verbeugten sich tief und versprachen, es zu versuchen. Der Älteste, Prinz Dmitri, sollte als Erster wachen. Als der Abend kam, setzte er sich unter den Apfelbaum, den Säbel über dem Knie. Die Sterne entzündeten sich einer nach dem anderen, und die Nacht wurde so lang und so still. Dmitri lehnte sich an den Stamm, blinzelte einmal, zweimal, und dann sank sein Kopf nach vorn. Er schlief tief ein. Am Morgen erwachte er von den Schritten des Königs auf dem Kies, und wieder fehlte ein goldener Apfel.

Der König wurde traurig und zornig zugleich. 'Du hast mich enttäuscht, mein Sohn. Morgen wacht dein Bruder.' In der zweiten Nacht setzte sich Prinz Wassili unter den Baum. Er hatte einen Krug Kwas mitgebracht und eine große Pelzmütze, um wach zu bleiben. Er summte Lieder, er zählte Sterne, er kniff sich selbst in den Arm. Doch Mitternacht ist Mitternacht, und der Schlaf schlich wie eine Katze unter seinen Mantel. Bald ruhte seine Hand am Säbelgriff, und bald sank ihm die Mütze über die Augen. Er schlief so tief, dass er den Vogel nicht einmal kommen hörte. Als der Morgen graute, stand der König wieder da, und wieder fehlte ein goldener Apfel.

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